Das Konzept „Schulhund“ an der Schillerschule Aschaffenburg

 

Die Anzahl der Schulhunde in Deutschland nimmt stetig zu.

Waren es Anfang 2009 bundesweit erst 125 Hunde, so stieg die Zahl der Schulen mit im „Schulhundweb“ registriertem Schulhund inzwischen auf nahezu 300 Schulhunde an (Stand Januar 2017).

 

 

Zum Hund Charly

 

Charly wurde am 6.2.2015 als Joda vom Seebachtal geboren.

Von Anfang an genoss er eine gute, kontinuierliche Erziehung und Sozialisation, unter anderem auch in Welpen- und Junghundekursen und Spielstunden in der Hundeschule „Krambambuli“ in Johannesberg bei Aschaffenburg.

Auch auf Spaziergängen wurde stets Wert auf Hundekontakte gelegt.

 

Ab Oktober 2015 befand sich Charly in der Ausbildung zum Schulhund bei der Weiterbildungsstätte „Schnauzenwelt geht in die Schule.“

Diese erstreckte sich über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren und wurde im Februar 2017 mit einer Unterrichtsstunde und Prüfung der Sachkunde abgeschlossen.

 

Er ist bei der Stadt Aschaffenburg angemeldet und besitzt eine Hundesteuermarke. Ebenso ist er gechipt und wird beim Haustierregister "Tasso“ geführt. Für Charly besteht ebenfalls eine Haftpflichtversicherung bei der Uelzener Versicherung mit ausdrücklicher Erwähnung der Mitnahme als Schulhund.

 

 

Zur Person Heike Widmann-Back

 

Seit 1989 unterrichte ich an bayerischen Grundschulen die Klassenstufen 1-4  (6 Jahre Elternzeit ausgenommen), fast ausschließlich als Klassenlehrerin.

Die letzten 11 Jahre bin ich an der Schillerschule in Aschaffenburg in den Jahrgangsstufen 3 und 4 tätig, mit 18-20 Stunden Teilzeit.

 

Da ich mich schon lange mit dem Thema „Schulhund“ befasse und seit mehr als 20 Jahren Hundehalterin bin, habe ich mich für dieses Projekt entschieden.

Auf die Idee kam ich durch eine schulische Fortbildung über Schulbesuchshunde der Organisation „Kind und Hund“, welche ein Sicherheitstraining für Kinder im Umgang mit Hunden anbietet.

 

Des Weiteren ging ich am 28.9.2016 die Selbstverpflichtung für die tiergestützte Pädagogik ein und bin im „Schulhundweb“ gelistet.

 

Am 26.11.2016 absolvierte ich den Kurs „Erste Hilfe am Hund“ beim ASB in Frankfurt.

 

 

1. Organisation:

 

Der Labradoodlerüde Charly kommt an ein bis zwei Wochentagen mit mir in die Schule und ist im Unterricht dabei. Während der Pausen bleibt Charly in seinem Kennel im Klassenzimmer oder begleitet mich ins Lehrerzimmer.

2. In der Klasse:   

 

An Tagen, an denen Charly in der Schule dabei ist, weist sowohl ein Infoplakat am Schulhauseingang, als auch eines an der Klassenzimmertüre darauf hin.

Charly hat in der Klasse einen Rückzugsplatz in seiner Hundebox.

 

Ferner wurden folgende Verhaltensregeln zum Umgang mit dem Schulhund aufgestellt:

 

- Wir schließen unsere Büchertaschen und lassen keine Pausenbrote herumliegen

- Wir achten darauf, dass nichts auf dem Boden liegt

- Wir machen vor dem Hund keine hektischen Bewegungen

- Wir nähern uns dem Hund langsam und ruhig

- Wir streicheln den Hund nicht am Kopf

- Wir nehmen dem Hund nie etwas weg

- Wir dürfen Charly nur nach Absprache rufen

- Wir verhalten uns leise und vermeiden Lärm und plötzliche Geräusche

- Wir betrachten den Hund ohne ihn anzustarren

- Wir lassen den Hund in Ruhe, wenn er in seiner Box liegt oder im Klassenzimmer  

    schläft

- Wir füttern Charly nie, außer wir bekommen die Erlaubnis

- Wir füttern den Hund mit der flachen Hand

- Wenn wir den Hund gestreichelt haben, waschen wir uns die Hände

- Wenn wir keinen Kontakt mit Charly wollen, verschränken wir die Arme und

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3. Hygiene:

 

Es gibt in der Klasse ein Waschbecken und die Schüler/innen werden angehalten, nach Berührungen mit dem Hund und vor allen Dingen, bevor sie etwas essen, die Hände zu waschen. In Bezug auf mögliche Tierhaarallergien stellt Charly durch seine Abstammung (Labradormutter und Pudelvater) ein geringes Risiko dar. Charly ist geimpft; alle drei Monate wird sein Kot auf Würmer und andere Parasiten tierärztlich untersucht. Der Zugang zu Küchen und Speiseräumen ist ihm untersagt.

4. Wesen des Hundes:

 

Sowohl die Auswahl der Rasse, als auch der Zuchtstätte, erfolgte nach strengen Kriterien, die sicherstellen sollen, dass der Umgang dieses Hundes mit Kindern gefahrlos ist und der Hund von seinem Wesen für den Einsatz in der Schule geeignet ist. Beide Eltern von Charly haben sich einer Wesensprüfung unterzogen und dabei unter Beweis gestellt, dass es ruhige, unbeirrbare Hunde mit ausgeprägtem sozialem Wesen sind.

5. Partizipation: 

 

Die Gesamtkonferenz hat der Anwesenheit eines Hundes in meiner Klasse wie auch an der Schule durchweg positiv zugestimmt. Ebenso wurden Klassenelternsprecher, Elternbeirat, Sachaufwandsträger (Stadt Aschaffenburg) und das Schulamt über das Projekt „Schulhund“ in Kenntnis gesetzt.

6.   Ziele:

 

Schüler/innen sollen durch den Umgang mit Charly bei der Erreichung folgender Ziele unterstützt werden:

  • Schaffung einer positiven, angstfreien Lernatmosphäre als Grundlage der täglichen Arbeit. Die Anwesenheit Charlys gestaltet die Lernumgebung positiv: Es entsteht eine lockere, freundliche Atmosphäre, körperliche und verbale Aggressionen gehen deutlich zurück. Es finden erwiesenermaßen Lernprozesse statt, die sich durch klassische kognitive Lerntheorien nur begrenzt erklären lassen.

  • Einüben von Verantwortungsübernahme (z.B. für Wasser sorgen, den Hund in Begleitung von Fr. Widmann-Back am Auto abholen, Fellpflege, auf Bedürfnisse des Hundes eingehen).

  • Einüben von Rücksichtnahme und Empathie (füreinander Da-Sein, hier: beobachten und decodieren der Signale des Hundes und entsprechendes Verhalten ihm gegenüber), das Sozialverhalten kann so wesentlich gebessert werden.

  • Unterstützung einer harmonischen Persönlichkeitsentwicklung und sozialer Fähigkeiten (hier: „Tiere bauen unechte Kommunikation ab, erleichtern die Kontaktaufnahme und aktivieren. Sie ermöglichen eine angemessene Abgrenzungsfähigkeit, reduzieren vorzeitige Beziehungsabbrüche und führen zu einem besseren Zugang zu den eigenen Emotionen und Instinkten.“ (Prof. Dr. Erhard Olbrich, Vortrag)

  • Aufbau persönlicher Stärken und Förderung der emotionalen Intelligenz (hier: Tiere sind urteilsfrei, der Hund begrüßt die Kinder täglich mit der gleichen Begeisterung, hier erleben sie eine Stärkung, die ihnen sonst häufig fehlt. Außerdem vermittelt Charly im Spiel, d.h. wenn er auf einfache Kommandos der Kinder positiv reagiert, Erfolgserlebnisse, Selbstvertrauen und Selbstachtung. Der Glaube an die eigene Tüchtigkeit wird gestärkt.

  • Stärkung von Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein: das Tier reagiert nur auf klare Gesten, Anweisungen und konsequentes Verhalten.Die Schüler/innen müssen sich also auf das Tier einlassen, sich konzentrieren, sich selbst nötigenfalls korrigieren. Wenn der Hund dann ihre Befehle ausführt, belohnt er sie dafür – unabhängig von kognitiven Leistungen der Kinder.

  • Die Kommunikationsfähigkeit (nonverbal und verbal) der Kinder, wird deutlich gestärkt: Es gibt täglich neue Anlässe zum Gespräch über den Hund zwischen Schülern und Lehrern und mit anderen Schülern (klassenübergreifend). Schüchterne und ruhige Kinder erleben in diesem Zusammenhang mehr Zuwendung als unter Menschen, da der Hund auf Körpersignale reagiert. So können Ängste abgebaut werden, der Hund vermittelt Sicherheit.

  • Konzentration und Aufmerksamkeit werden durch die Anwesenheit des Hundes im Klassenraum gefördert, der Geräuschpegel deutlich gesenkt (die Kinder wissen, dass ein Hund alle Geräusche  viel lauter hört als ein Mensch. Sie erleben auch, dass er auf Lärm schnell, konstant und deutlich reagiert).

  • Der kollegiale Teamgeist wird gestärkt, die Klasse als „Hundebesitzer“ hat eine Gemeinsamkeit, die andere Klassen nicht haben. Ihre gemeinsame Sorge für und Zuneigung zu Charly lässt den Zusammenhalt  untereinander wachsen.